Dichter by phrases

Aus: Strategie im Reich der Wünsche.- Düsseldorf: Econ, 1961

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Rational versus irrational

"Das Rationale ist ein Fetisch des zwanzigsten Jahrhunderts. Unsere Kultur gestattet uns nicht, echte Irrationalität als Erklärung für unser Verhalten offen zuzugeben. Dennoch ist die Mehrzahl religiöser und politischer Systeme, ebenso wie Treue, Liebe und Stimmung als Begründung für menschliches Verhalten irrational." Viele dieser irrationalen Motivationen sind zudem "unbewusst ... Es gibt keine Tätigkeit, die zu groß oder zu klein wäre, um sie in diese Domäne menschlicher und wissenschaftlicher Neugier (sc. der Motivforschung) einzubeziehen." (S. 49)
"Werden wir nach unseren Motiven befragt, dann suchen wir zuallererst mit ganzer Kraft nach rationalen Erklärungen. Die Gefahr ist groß, dass wir, beseelt von dem Wunsch, rational zu handeln, eine rationalisierende Antwort geben oder eine pseudorationale Ursache für unser Verhalten suchen." (S. 72)

Sprache und Symbol

"Primitive Kulturen bedienen sich nichtverbaler Formen strategischer Menschenführung. Wir aber, als logische Geschöpfe, bestehen auf den verbalen Kommunikationsformen und fordern logische Argumente. Unsere wahren Kommunikationen aber sind von primitivem Symbolismus nicht allzu weit entfernt." Symbole - auch in Produkten "sind Teil einer zweiten Sprache. Die Sprache wird überall gesprochen, aber fast nirgendwo gelehrt." (S. 146)

Seele / Image

"Die Dinge haben eine Seele ... Menschen projizieren sich auf Waren ... Demnach haben leblose Gegenstände einen deutlichen psychischen Gehalt, eine "Seele", die eine dynamische emotionale Rolle im Alltagsleben des einzelnen innerhalb des Gefüges seines sozialen Wertsystems spielt ... Die Gegenstände sind eine Art Spiegel, der unsere Vorstellungen wiedergibt. Sie ermöglichen uns, immer neue Aspekte unser selbst zu entdecken ... In gewissem Sinne wird dadurch das Wissen um die Seele der Dinge möglicherweise zu einem ganz direkten, völlig neuen und revolutionären Weg, um die Seele des Menschen zu entdecken" und "kann gleichzeitig zu neuen therapeutischen Möglichkeiten führen." (S. 101 f.)
"Was ich wirklich kaufe ist die Persönlichkeit [personality], das Marktbild [Marketing-Image] ... der Ware, also all das, was sie psychologisch und nicht technisch für mich leisten kann." (S. 201)

Märchenmotive

"Angenommen, unser Problem wäre, einen Weg der Repräsentanz von Suppe im allgemeinen Markt zu finden. Den ersten Schritt stellte der Versuch dar, die wahre Bedeutung von Suppe zu erfassen und den Beziehungsrahmen, in dem die Suppe innerhalb unserer Kultur steht, zu ermitteln." Suppe ist nicht nur Nahrung, "sie ist ein mächtiges Zaubermittel, das nicht nur den leiblichen Hunger stillt, sondern gleichzeitig mit dem seelischen Verlangen etwas zu tun hat. Man spricht von Suppe wie von einem Produkt aus der geheimnisvollen Alchimistenküche, wie von einem Liebessymbol, das ein mysteriöses Nagen an der Seele zum Schweigen bringt. Als Gebräu, als Trank, scheint die Suppe so alt zu sein wie die ersten Zeichen menschlicher Zivilisation ... Es mag notwendig sein, dass wir Legenden und Märchen zu Rate ziehen, um bestimmte Bezogenheiten - wie etwa den Hexen- und Liebestrank - zu finden ... man könnte beinahe behaupten, Suppe sei orgastisch. Das Suppenessen ist eine Erfüllung. Sie ist das Gericht, nach dessen Einnehmen hörbar und fast unfreiwillig Beifallsäußerungen laut werden ... ein "Ah" der Erleichterung nach dem ersten erwärmenden, stärkenden Löffel ... Sie ist ein Erzeugnis der "Küchenfee". Immer schon wurde den Kräutern mehr als nur erdhafte Kraft zugetraut. Da nun eine gute Suppe eine Vielzahl von ihnen enthält, gehen die transzendenten Eigenschaften legendärer Tränke auf sie über. Suppe kommt aus der Märchenküche, sie wird durch die "Zauberkraft" der Mutter zubereitet ... Sie schützt, heilt, gibt Kraft und Mut und ein Gefühl der Geborgenheit" (S. 172 f.)

Plädoyer der Motivforschung

"Das Schöpferische Moment ist eine absolute Vorbedingung für wissenschaftliches Vorgehen. Es gibt keinen Forschungsbereich, wo es nicht notwendig wäre, vor dem Beweis die Hypothese zu entwickeln. Wir sind nur in unsere augenblickliche Sackgasse geraten, weil die Meinung der empirischen Schule, die nur die Dinge als wissenschaftlich anerkennt, die sich direkt beobachten lassen, zu weite Verbreitung fand. Wir haben es hier mit Missverständnissen und Schwierigkeiten zu tun, die dem ganzen Kommunikationsbereich Schaden zugefügt haben." (S. 84 f.)
Motivforschung muss in drei Stufen erfolgen: "1. durch die Formulierung der Hypothese, 2. durch deren Beweis und 3. durch mengenmäßige Bestimmung (Quantifizierung). Die meisten Erörterungen bei der Befragtenauswahl kreisen um diese letzte Stufe, ohne dass die beiden vorangehenden Stufen intensiver betrachtet werden." (S. 73)
"Was ich zu verteidigen suche, ist die Notwendigkeit, zuerst von einem festen Begriff her Einblicke zu sammeln, um hinterher empirische Unterlagen für die Testung der Hypothese zu verwenden. Ich glaube, dieser Weg zeigt deutlich an, dass schöpferisches Denken eine Vorbedingung der Wissenschaft ist. In erster Linie brauchen wir sozialen Erfindergeist und soziale Vorstellungskraft", dies "kommt der reinen Kunst sehr nahe", die "eine eigene Deutung gibt. Diese Interpretation ist bereits eine intellektuelle Errungenschaft." (S. 83)
"Schöpferische Kraft lässt sich hervorrufen und entwickeln, wenn wir lernen, uns nicht vor unseren eigenen Gedanken zu fürchten ... Eine der wichtigsten Vorbedingungen für die Entwicklung schöpferischer Kraft ist demnach, frei zu assoziieren und beinahe allen Gedanken, entweder für sich selbst oder in Diskussionen, freien Lauf zu lassen." (S. 86)

The other way round

"Wir haben uns innerhalb der Sozialforschung vorschnell nur mit Methoden befasst; Erklärungen und Verständnis ließen wir außer Acht, weil uns die Vorstellung verblendete, Methoden allein vermöchten eine Antwort zu geben. Wir brauchen soziale Erfindungsgabe, wir müssen schöpferisch sein, wenn wir die vielen Probleme unseres modernen Lebens, wie Überfluss und Unterentwicklung, Nationalismus und Vereinigung, lösen wollen. Oft finden wir die Lösungsmöglichkeiten für die stets neuen Fragen nur, wenn wir das Pferd von hinten aufzäumen." (S. 62)
"Eine Untersuchung ... zeigte uns, dass Nationen nicht so sehr nach ihrer Vormachtstellung auf dem einen oder anderen Gebiet beurteilt werden als vielmehr nach ihrer Einmaligkeit. Wahres Verständnis sollte lieber zur Stärkung von Unerschieden als zur Gleichmacherei führen." (S. 60)
"Anlässlich eines Besuches in Südamerika war ich überrascht, dass man auch dort von der nördlichen Hemisphäre mit mehr Respekt sprach als von der südlichen. Was oben ist, scheint überlegen zu sein. Wenn man einen Globus baute, bei dem der Süden oben, der Norden aber unten liegt, wäre man überrascht, wie radikal sich die Einstellung gegenüber der südlichen Hälfte unserer Erdkugel wandeln würde." (S. 61)

Pädagogik des Rationalen

"Ich plädiere dafür, dass wir unsere Kenntnis des emotionalen Mechanismus in den Dienst der Vernunft stellen, um auch diejenigen zu erreichen, die auf andere Weise keinen Vernunftgründen zugänglich wären." (S. 160)

Wohlstand und Hedonismus

"Wir haben eine neue Phase erreicht. Sie ist gekennzeichnet von Wohlstand, ja beinahe Überfluss. Wollen wir unser tägliches Leben ohne Schuldgefühle genießen, müssen wir einen Moralbegriff entwickeln, der diesem Stadium angemessen ist. Ein solcher Moralbegriff darf nicht Genusssucht ... verteidigen, sondern die Idee, dass das Grundziel unseres Lebens die menschliche Würde ist ..." (S. 306)
"Der Hedonismus - die Lehre, dass Freude und Genuss nicht Selbstzweck sind, sondern einer echten Persönlichkeitsentfaltung entspringen, muss sich auch bei uns wieder durchsetzen." (S. 315)
"Kauft man ständig Neues, um dem Nächsten zu imponieren oder in der Herde mitzutrotten, dann wird man von den Dingen besessen. Psychologisch wird dadurch niemand reicher. Erwirbt man sich jedoch diese sichtbaren Dinge, weil sie einem erlauben, sich selbst stärker auszudrücken " weil sie "neue Entdeckungen, neue Erlebnisse gewährleisten", so ist dies legitime Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, die alle bereichert. (S. 129)
"Das Leben ist Strategie, Wachstum. Seine Kraft ... ist die Gesamtsumme allen menschlichen Begehrens ... dem Begehren Einhalt zu gebieten hieße, das Leben selber zu verbieten. Es ist unbedingt notwendig, dem Wachstum, der dynamischen Sicherheit und der konstruktiven Unzufriedenheit ein Ziel zu setzen. Erst dann können wir alle Methoden, die sich in der Strategie im Reich der Wünsche vereinen, erlernen und nutzbringend anwenden." (S. 337 f.)

Erfolg

"In der Regel gilt unser heutiges Leben dann für erfolgreich und bedeutsam, wenn wir uns mehr oder minder den Gegebenheiten angepasst haben ... Aber die Tatsache, dass so viele von uns, trotz offensichtlicher Erfolge, gegen Gefühle der Enttäuschung anfällig sind, weist darauf hin, dass unserem Werdegang und unserem Denken etwas Fundamentales fehlt. Hier zeigt sich, dass die Standardbegriffe von Erfüllung und Erfolg falsch sind. Wir versäumen nur zu oft, unserem Leben klare, tiefere Ziele zu geben. Doch wären sie der beste Maßstab für unsere Fortschritte." (S. 319)

Die großen Fragen

"Wir müssen das Leben aus der Warte fundamentaler Begriffe sehen und grundlegende Fragen stellen. Nur allzu oft folgen wir bereitwilligst dem geringsten Widerstand und betrachten unsere Probleme im Licht vorfabrizierter, eingänglicher Vorstellungen ... Niemals sollten wir glauben, Ereignisse und Erscheinungsformen unseres Lebens bestätigten nur altbekannte Wahrheiten ... Die wahre Größe kleinster Dinge zeigt sich in ihrer Beziehung zu transzendenten Ursprüngen im Herzen der Menschen oder der Natur ..." (S. 323)


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